Versöhnlicher Jahresabschluss

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 14. Mai 2014 11:50

Mit dem 2:1 Sieg über Augsburg und dem Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale fand ein durchwachsenes Jahr voller Rückschläge einen versöhnlichen Abschluss. Die Minuskulisse von nur 10.000 Besuchern machte ihren Frieden mit der Mannschaft.

Mit dem Heimsieg fand eine Diskussion ihr Ende, die in den vergangenen Wochen immer heftiger geführt worden war: Ist es berechtigt, angesichts schwächelnder Leistungen der eigenen Mannschaft (wie vom harten Kern der Fans in Leverkusen praktiziert) den Rücken zu kehren oder sie (wie fast ausschließlich von den Sitzplatz-Zuschauern bei den letzten Heimspielen) bei jedem Fehlpass auszupfeifen? Ist es berechtigt, wenn die Vereinsführung und manche Spieler dies den Fans in aller Öffentlichkeit zum Vorwurf machen? Oder muss sich die Vereinsführung nicht ihrerseits vorhalten lassen, dass sie die Spieler wie unter einer Glasglocke von den Fans abschottet und so wechselseitige Identifikation gar nicht erst aufkommen kann?

Auch löst es naturgemäß Spekulationen aus, wenn eine Mannschaft hartnäckig unter ihren Möglichkeiten bleibt und sich so offensichtlich mit einfachsten Mitteln aus dem Konzept bringen lässt. Ist dieser Rückfall in vorübergehend allgemeine Verunsicherung nur der Jugend und Unerfahrenheit geschuldet? Oder liegt es daran, dass einige sich mit Wechselgedanken tragen und nicht "mit ganzem Herzen bei der Sache" sind? Fehlt die mannschaftliche Geschlossenheit oder fehlt die Identifikation mit dem Verein oder fehlt gar die Loyalität zum Trainer? Viel wurde spekuliert. Dass diese eigentlich im Profifussball als alltäglich anzusehende Frage bei uns so einen hohen Stellenwert bekommen hat, ist sicherlich der Hoffenheimer Geschichte zuzurechnen.

Denn für viele aus dem engeren und weiteren Umfeld des Vereins definiert sich die Existenzberechtigung des "Modells Hoffenheim" aus dem modernen, schnellen und erfolgreichen Spiel der glorreichen Anfangszeit im Profi-Fußball mit Eduardo, Demba Ba und Gustavo. Der Erfolg gab zunächst dem Aufwand recht, mit enormem Mitteleinsatz aus einem Dorfclub einen Bundesligisten zu machen. Der Erfolg wurde als langfristig suggeriert, weil man ja mit modernsten Trainingsmethoden und modernsten Sportstätten unter Zuhilfenahme der besten "Lehrkräfte" aus zahlreichen Talenten eine "große Mannschaft" erschaffen wollte. Das machte alle stolz und jeder wollte dabei sein, wie man die Etablierten das Fürchten lehrt.

Mit dem Misserfolg und dem Mittelmaß entfiel dieses Leit-Motiv der ebenso kurzfristig gewachsenen Anhängerschaft. Enttäuschte Erwartung antwortet mit Liebesentzug. Woilfgang Brück hat es in der RNZ mit anderen Worten treffend beschrieben: Am Anfang war es nur Verliebtheit, für echte Liebe müssen noch ein paar Jahre ins Land gehen. Da diese Erkenntnis immer mehr Fans vereint, da man verstanden hat, dass man verunsicherten Spielern, die ihre Mitte, ihr Selbstvertrauen noch nicht gefunden haben, mit Liebesentzug nicht weiterhilft, deshalb wurde es im letzten Spiel des Jahres doch noch ein wenig heimelig. Der Erfolg über Augsburg versöhnte alle im vorweihnachtlichen "Jingle Bells".

Da sich unter den etwas über 9.000 heimischen Zuschauern die echten Fans in der absoluten Mehrheit befanden, klang der Support laut wie selten. Die Mannschaft schien darob beflügelt, klatschte schon zu Beginn den Fans zu und verlor, trotz einiger Patzer vor allem von Beck, trotz des zwischenzeitigen Ausgleichs nicht die Linie im Spiel. Einzig Vestergaard wirkte noch verunsichert, weil er das Umschalten auf Angriff überhaupt nicht hinbekam, ansonsten wurde aber ordentlich Pressing gespielt, es gab einige gute Steilpässe und die Angreifer bewegten sich ordentlich. Das war noch kein "großes" Spiel, aber inzwischen ist man ja auch mit einigermaßen ordentlicher Arbeit hochzufrieden.

Dennoch bedurfte es, um das Spiel zu entscheiden, ein wenig des Zaubers von 2008, denn der überragende Spielgestalter, glänzende Freistoß-Schütze zum 1:0 und Vorbereiter des 2:1 Endstands (durch Ibisevic) war der schon seinerzeit mit auffälligste Hoffenheimer Sejad Salihovic, der damit eine glänzende Bewerbung für die Verlängerung seines Vertrags abgab.

Am heutigen Tag wollen sich die Vereinsoberen nämlich mit dem Trainer über die künftige Zusammenstellung des Kaders verständigen. Es ist damit zu rechnen, dass es einigen "faulen Äpfeln" dabei an den Kragen gehen wird. Auch das jetzt so erfolgreiche bosnische Duo gehört zu den Großverdeinern, denen gelegentlich vorgeworfen wird, dass sie zu wenig Einsatz zeigen. Nach den letzten Vorstellungen kann man das nicht mehr behaupten. Wichtig wird nun vor allem sein, aus dem Team heraus oder auch von außen eine echte Führungsfigur zu herauszubilden, die auf dem Platz vorangeht, wenn es eng wird. Leider sind zu viele Spieler eher der Kategorie "netter Schwiegersohn" zuzuordnen. Aber auch auf dem Gebiet sollte man jedem die Fähigkeit einräumen, sich noch zu steigern.