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Himmel hilf!

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Erstes Heimspiel der neuen Saison, 0:4 verloren gegen den Aufsteiger Eintracht Frankfurt. Bilanz der ersten 3 Pflichtspiele dieser Saison 0 Punkte, 1:10 Tore. Saisonübergreifend 6 Pflichtspiele verloren. Marcus Babbels Team (20 Spieler weg, 14 neue da) zeigt die gleichen Schwächen wie zuvor. Was kann da noch helfen?

Es hatte doch gut begonnen, eine gigantische Choreo wurde zum Einlauf hochgezogen, die aufwändigste die wir in Hoffenheim jemals gemacht haben, und unter der Folie sang der ganze Block. Auch das Spiel unseres Teams begann gut, zwei Großchancen wurden in den ersten 20 Minuten herausgespielt, die von Derdiyok und Volland allein vor dem Frankfurter Keeper leider nicht verwertet wurden, ein Tor von Compper wegen Abseits nicht anerkannt. Unsere Mannschaft stand defensiv gut geordnet, mit einem wie immer überragenden Compper, Schröck an Stelle von Beck wirkte quirlig und couragiert, lediglich Weis im defensiven Mittelfeld eher übermotiviert. Dann passierte, was passieren kann, Compper versucht einmal zu viel, Verantwortung zu übernehmen, und geht in einen Schuss, den er dadurch unglücklich ins eigene Tor abfälscht. Kurze Zeit darauf ein platzierter Fernschuss, Wiese war aus dem Tor, weil er ein Passspiel vermutete, ein Sonntagsschuss zum 0:2. Danach war die Körpersprache in unserer Mannschaft schon so, dass man nichts Gutes kommen sah.

Nach der Pause erwartete man eine Reaktion, die kam auch zunächst durch den Trainer, der mit Williams und Usami für Vukcevic und Rudy Kampfbereitschaft und technische Offensiv-Qualität einwechselte. Doch leider wurden diese Qualitäten auf dem Platz überhaupt nicht umgesetzt. Erst ganz zum Schluss zeigte Usami mit einem sehenswerten Solo, was er drauf hat. Statt dessen ließ man die Eintracht kombinieren und war in seinen Offensivaktionen viel zu überhastet. Grundlagen wie Laufbereitschaft und Passsicherheit wurden vermisst. Das war der Zeitpunkt, als auch die Zuschauer nicht mehr wirklich an die Wende glaubten, was sich in deutlich nachlassendem Support äußerte. Was folgte, war der geradezu unglaubliche Auftritt von Salihovic: Unter der Woche vom Trainer kritisiert, weil er für seinen großzügigen Rentenvertrag zu wenig leistet (das hätte dem Babbel mal jemand vorher sagen sollen, Sali war noch nie ein Teamplayer geschweige denn ein Leader), war er - posive Version - übermotiviert, dem Trainer das Gegenteil zu beweisen, und fängt sich binnen vier Minuten nach seiner Einwechslung gelb-rot. Zu allem Überfluss holte sich dann Schröck nach einer Notbremse gleichfalls gelb-rot. Mit 9 Mann war dann tatsächlich keine Wende mehr möglich, Hoffenheim kassierte noch zwei weitere Dinger, wobei der Elfmeter aus meiner Sicht auch noch unberechtigt war. Man könnte sagen, es kam so viel Pech zusammen, wie man sonst in einem halben Dutzend Spielen hat.

Man könnte aber auch sagen, dass diese erneute Niederlage kein Zufall war. Wieder erlebten wir einen totalen Einbruch nach einem Rückstand - wie so oft in den vergangenen Jahren. Was hat man nicht alles getan, um genau dies abzustellen: Zwei Trainerwechsel - erst von Pezza zu Stani, dann zu Babbel - zweimal ein Wechsel der Vereinsphilosophie - unter Stani die Priorität auf jungen, "erfolgshungrigen" Spielern an Stelle der hochbezahlten "Jungstars", und eine Motivation via Identifizierung mit dem Verein, unter Babbel der Einbau von (international) erfahrenen, gestandenen Spielern und die Motivation über ehrgeizige Ziele (Europa) - und das Ergebnis: Wir werden immer schlechter! Die Fehler als Mannschaft werden gröber, obwohl die individuelle Qualität der Spieler nach meinem Gefühl eher gestiegen ist. Woher kommt das? Ich habe drei Vermutungen: 1. Der Umbau vor dieser Saison war zu brutal, nach meiner Ansicht wurden Spieler wie Babel, Braafheid, Beck respektlos behandelt, der Trainer/Manager hat das Vertrauen der Mannschaft nicht. 2. Es fehlt nach wie vor an einer Führungsfigur auf dem Platz, die Hierarchie ist in der Mannschaft nicht vorhanden. 3. Es gibt in dieser Mannschaft keinen Klebstoff, der das Team zusammenhält, keine Identifikation mit dem Verein und seinen Zielen, keinen "Spirit". So kommen selbst herausragende Fußballer nicht über ein Mitläufer-Schicksal hinaus.

Was nun? Zunächst einmal finde ich es offen gesagt total daneben, was zahlreiche Hoffe-Fans am Samstag als Reaktion gezeigt haben: Viele gingen schon nach dem 2. Platzverweis, weil da nichts mehr zu retten war, aus dem Stadion. So etwas geht mal garnicht! Viele beschimpften die Mannschaft z.T. in äußerst unflätiger Form (und das machten ausgerechnet noch die selbst ernannten "treuesten" Fans) als sie nach der Niederlage an den Zaun kam, obwohl wir genau das an den Zaun kommen immer von ihr gefordert hatten! Nein, die Fans haben mindestens genauso versagt, wie die Mannschaft, der Support ist nach den ersten Gegentoren eingebrochen, als er am wichtigsten gewesen wäre: Wir müssen uns genauso schämen!

Jetzt wird schon wieder der Weltuntergang beschworen, ein Trainerwechsel gefordert, alle Spieler als Söldner beschimpft, alles Mögliche an der Reizfigur Wiese festgemacht usw. usf. und so dumm!!! Ein Trainerwechsel jetzt ist der größtmögliche Unfug. Jetzt muss erstmal Struktur geschaffen werden nach dem großen Umbruch und nicht wieder Struktur zerstört. Man sagt uns doch immer nach, wir hätten keine Geschichte, nun, zu einer Fußballgeschichte gehört gerade auch das Leiden am Verein, das werden wir jetzt wieder mal üben dürfen. Und, wer soll es mit unserem Team jetzt richten? Der Fußballgott natürlich, denn seine Wege sind unergründlich, aber er weiß immer, was er tut!

   

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